Der aktuelle Fall aus
unserer Nachbarstadt Bochum hat seit einigen Wochen in den Medien
Wirbel verursacht. In Bochum soll eine neue Synagoge gebaut werden,
wovon vier Millionen Euro der Baukosten von der Stadt Bochum bzw.
vom Land NRW übernommen werden.
Die NPD hat dagegen eine Protestdemonstration angekündigt,
welche vom Bochumer Polizeipräsidenten verboten worden ist,
nachdem verschiedene Richter und Staatsanwälte des Bochumer
Landgerichtes bereits schon vorher in den Medien entsprechenden
Druck ausgeübt haben. Richter und Staatsanwälte müßten
sich bei der Beurteilung solcher Fragen eher zurückhalten,
weil sie eigentlich unabhängig sein müssen.
Zur NPD muß man wohl nicht viel sagen. Diese Partei ist
nicht glaubwürdig, weil sie m. W. nicht die staatliche
Finanzierung der christlichen Großkirchen kritisiert. Offensichtlich
ist die Staatsfinanzierung nur ein Vorwand, um gegen den Synagogenbau
protestieren zu können.
Dennoch wirft dieser Fall tiefgreifende Fragen auf, die den Grundbestand
der rechtsstaatlichen Ordnung betreffen.
Die NPD begründet ihre Demonstration mit ihrer Kritik an
der staatlichen Finanzierung des Synagogenbaus - das Gegenteil
wird man ihr wahrscheinlich nicht nachweisen können.
ERSTE FRAGE:
DARF MAN IN DIESEM LAND NICHT GEGEN DIE STAATLICHE
KIRCHENFINANZIERUNG PROTESTIEREN?
Die Finanzierung der Religionsausübung ist grundsätzlich
keine staatliche Aufgabe, der Staat ist zur Neutralität verpflichtet.
Die christlichen Kirchen sind keine Organisationen, die über
moralisches Fehlverhalten erhaben sind. Wir alle wissen das zu
genau. Allerdings trifft diese Kritik auch die jüdische Kirche.
Besonders beklagenswert ist das Beschneiden von männlichen
Kindern, welches den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung
erfüllt. Doch welcher Richter ahndet diese Form von Kriminalität?
Muß der Bürger so etwas untätig hinnehmen?
ZWEITE FRAGE:
DARF MAN GRUNDSÄTZLICH NICHT GEGEN DEN BAU
EINER KIRCHE PROTESTIEREN?
Man protestiert gegen den Autobahnbau, gegen den Bau von Hochhäusern,
Fabrikanlagen, Bordellen, Einkaufszentren u.s.w.. Doch eine Kirche
beeinträchtigt das Umfeld oft im stärkeren Maße.
Zwar "erfreuen" jüdische Gotteshäuser ihre
Umwelt nicht durch ständiges lautstarkes Gottesgeläut,
aber es ist auch nicht angenehm für Nachbarn, in ihrer Umgebung
eine Einrichtung zu wissen, in der permanent die Menschenrechte
verletzt werden.
Meine persönliche Meinung: Ich toleriere den Bau von Kirchen
u.s.w., wenn sie ausschließlich aus Eigenmitteln der Religionsgemeinschaft
finanziert werden, halte jedoch den Protest gegen den Kirchbau
für legitim.
DRITTE FRAGE:
IST KRITIK GEGEN JUDEN ANTISEMITISCH?
Antisemitismus muß verurteilt werden, jedoch darf man mit
dem Hinweis auf Antisemitismus nicht jede Kritik gegenüber
Juden und den Staat Israel tabuisieren. Das wäre weder nützlich
für Juden und Nichtjuden. Jeder von uns braucht Hilfe und
Kritik anderer, denn niemand ist frei von Fehler. So sollte sich
jeder über konstruktive Kritik freuen.
VIERTE FRAGE:
WIE STEHT ES MIT DER GLAUBWÜRDIGKEIT DER BEFÜRWORTER
DER STAATLICHEN FINANZIERUNG DES SYNAGOGENBAUS?
Die mangelhafte Glaubwürdigkeit ist sicherlich nicht das
alleinige Problem der NPD.
So versuchen die Befürworter die Subventionierung des Synagogenbaus
damit zu rechtfertigen, daß den Juden im Dritten Reich sehr
viel Leid angetan worden ist. Aber zunächst einmal haben
die Juden Entschädigungen bekommen, und irgendwann müssen
diese Zahlungen auch einmal beendet werden. Darüber hinaus
wäre es auch gar nicht möglich, Juden durch eine neue
Synagoge zu entschädigen, da ein großer Teil von ihnen
überhaupt nicht religiös ist.
Zudem darf man Recht und Moral nicht mit zweierlei Maß messen.
Die Nazis waren nicht die Alleinschuldigen des Völkermordes,
die beiden christlichen Großkirchen haben mit ihren jahrhundertelang
propagierten Antisemitismus die geistigen Grundlagen von Auschwitz
geschaffen. Die Nazis und ihre Helfer und Helfershelfer waren
lediglich die Handlanger. Die Nazis und die christlichen Kirchen
sind also gleichermaßig schuldig an dem Völkermord.
Während Neonazis heute vom Staat verfolgt werden, werden
die Kirchen weiterhin gefördert und darüber hinaus die
fortgesetzten Rechtsbrüche der Kirche vom Staat toleriert.
Das Thema "Auschwitz" kann erst dann glaubwürdig
erledigt sein, wenn Staat und Gesellschaft Kirchen und (Neo-)Nazis
gleich behandeln.
FAZIT: DIE DISKUSSION UM DEN SYNAGOGENBAU SOLLTE UNS ALLE ZUM
NACHDENKEN ANREGEN!